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DIE GERECHTE STADT ist eine vierteilige Zinereihe, die der Frage nachgehen möchte, wie Urbane Praxis eine gerechtere Stadt fordert und erprobt. Dadurch werden neue Perspektiven auf die gängige Stadtentwicklung eröffnet. Die vier Ausgaben sind als ein Anfang zu verstehen und ein Versuch, folgende Facetten Urbaner Praxis hervor zu heben:
Dieses Heft möchte Diskursen und Praktiken nachgehen, die junge Menschen – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – durch künstlerische Mittel zu Selbstwirksamkeit in der (Um-)Gestaltung der Stadt ermächtigen.
“KINDHEITS(T)RÄUME: ALL I WANT FOR CHRISTMAS IS BEZAHLBARE MIETEN” (Leon Gross - Urbane Liga Alumni e.V.)
"Die Trennlinien räumlicher Ausschlussmechanismen verlaufen also nicht vorrangig entlang der Kategorien „Jung“ versus „Alt“, sondern orientieren sich vor allem daran, ob Menschen ihre Arbeitskraft in einem neoklassischen Sinn „produktiv“ einsetzen oder nicht" (Leon Gross - Urbane Liga Alumni e.V.)
"Wie ist es, in einer älter werdenden Stadt jung zu sein? Welche Probleme gehen damit einher? Und welche Infrastrukturen sind notwendig, damit junge Menschen sich nicht nur wohlfühlen, sondern auch ein Aufwachsen in möglichst gleichwertigen Lebensverhältnissen gesichert sein kann?" (Milena Grösch, Maren Zünkler, Emilia Fuchs.
"Das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation und Mitbestimmung in der Stadt ist in der deutschen Stadtentwicklungspolitik unumstritten geworden. Doch wo lernen Kinder und Jugendliche, wie man Stadt macht?" (Valeria Schwarz, Lorene Blanche Goesele - Urbane Künste Er(be)leben)
"Interventionen selbstorganisierter Projekte bewirken auf kreative und oft spielerische Art eine neue Sichtweise auf den Raum, codieren diesen um und zeigen andere Nutzungs- oder Gestaltungspotenziale auf." (Stephanie Haury, Anja Röding, Friederike Vogel - BBSR )
Gastbeiträge:
Projektvorstellungen:
Projekte in Berlin:
In Anbetracht des drohenden Klimazusammenbruchs und der Dringlichkeit eines sozialökologischen Wandels fragen wir uns: Wie trägt Urbane Praxis - mit räumlichem Aktivismus, künstlerischen Mitteln und kulturellen Netzwerken - zu einer klimagerechten Transformation unserer Städte bei? Klimagerechtigkeit schließt neben der Anerkennung, dem Erhalt und der Wiederherstellung von ökologischen Qualitäten auch eine gerechte soziale Verteilung von Ressourcen und Teilhabe ein – vom Lokalen bis hin zum Globalen.
"Die Unternehmen und privilegierten sozialen Gruppen in der Stadt verursachen einen Großteil der städtischen CO2-Emissionen, können sich aber zumeist gut an die Folgen des Klimawandels anpassen. Demgegenüber haben die ohnehin prekarisierten Gruppen einen viel geringeren Anteil an der Klimakrise, sind aber viel stärker von Hitzestress, Wassermangel, Überschwemmungen oder Unwettern betroffen und haben weniger Möglichkeiten sich anzupassen. Diese Umwelt-Ungerechtigkeit hat eine räumliche Dimension." (Hendrik Sander - Institut für Europäische Urbanistik)
"Die Architektur hat sich lange Zeit auf ein extraktivistisches Regime in Bezug auf Ressourcen gestützt. Die zu intensive Gewinnung von Ressourcen und die umweltschädlichen Auswirkungen ihres Verbrauchs und ihrer Verschwendung tragen in hohem Maße zum Zusammenbruch des Klimas bei." (Sarah Bovelett, Tatjana Schneider - Mould)
"Im Bereich der urbanen Praxis geht das Konzept des Raums über rein physische Dimensionen hinaus - es umfasst Grundstücke, öffentlichen Raum, vernachlässigte Erde, persönliche Gründe und gemeinschaftliche Territorien, die unser soziales Gefüge ebenso prägen wie unsere physische Umgebung." (Lea Karrasch, Clément Rames - aquí)
"Auf dem Weg zur Klimagerechtigkeit sollten wir uns wieder auf das konzentrieren, was am wichtigsten ist - die Erde unter unseren Füßen." (Lea Karrasch, Clément Rames - aquí)
"Weder Einzelpersonen noch lokale Behörden sollten auf lebenden Böden bauen, sondern sie vielmehr schützen und bewahren." (Leila Bensalem - FÉ.E.S DU MARAIS, BRUSSELS)
"Wir haben einige spielerische Strategien der populären Umwelterziehung organisiert, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, welche Arten von Flora und Fauna unser Gebiet bewohnen." (Laura Cala Mejía - SOMOS BOSQUE, BOGOTÁ)
Gastbeiträge:
Projektvorstellungen:
Projekte in Berlin:
Begriffe und Praktiken wie Urbane Praxis (Barbara Holub), critical spatial practice (Jane Rendell), critical care (Elke Krasny, Angelika Fitz) sind intrinsisch feministisch. Gleichzeitig ist die Verankerung feministischer als auch queerer Ansätze in der Urbanen Praxis noch keineswegs selbstverständlich und erfordert gerade im Alltag häufig Erklärungen. Zu oft sind wir in unserer Praxis mit konservativen patriarchalen Strukturen und Machtverhältnissen konfrontiert, ungleich verteilter (Care-)Aufgaben und Überbelastung, (Selbst-) Ausbeutung und fehlender Repräsentanz, Räumen, Anerkennung und Wertschätzung. Daher ist es umso wichtiger, auch und vor allem queerfeministische Ansätze zu verfolgen, um eine vielfältigere urbane Transformation zu ermöglichen.
"Die patriarchale Ordnung schreibt sich in den gebauten Raum ein, der gebaute Raum bringt die patriarchale Ordnung hervor und beeinflusst damit spezifische Handlungsweisen und Rollenvorstellungen. Doch ist dies nicht in Stein gemeißelt." (Marieke Fischer)
"Frauen* sind als primäre Subjekte der Reproduktionsarbeit seit jeher auf den Zugang zu den Commons (auf deutsch: Gemeingütern, Allmende) angewiesen - von sauberer Luft und Wasser bis hin zu kollektivierter Reproduktionsarbeit - und stehen daher an vorderster Front der Kämpfe um deren Sicherung.” (Mascha Fehse, Licia Soldavini - Who Are We?)
"Kunst ist nicht nur eine Reaktion oder ein bestimmter Output, sondern ein sehr potenter Raum." (Carissa Pobre - AGAM AGENDA, QUEZON CITY)
"Ich denke, es obliegt auch denjenigen von uns, die das Privileg und die Zeit für künstlerische Untersuchungen haben, dagegen zu protestieren, dass es ein Privileg ist." (Padmapani L. Perez - AGAM AGENDA, QUEZON CITY)
Gastbeiträge:
Projektvorstellungen:
Projekte in Berlin:
In einer Praxis, die sich der Förderung des allgemeinen Wohls verpflichtet sieht, muss eine Auseinandersetzung darüber stattfinden, wer sich auf das Gemeinwohl bezieht und wer dabei mitgedacht wird. In der Urbanen Praxis ist eine kritische Reflexion der eigenen Position deshalb essenziell. Zu oft sind „gemeinwohlorientierte“ Projekte in Deutschland überwiegend weiß, akademisch, wirtschaftlich und zeitlich privilegiert, able-bodied oder erstsprachlich deutsch. Dabei bleiben unterrepräsentierte Perspektiven zu Praktiken und Strategien der Mitgestaltung von Stadtraum oftmals unsichtbar. Den Ausgangspunkt dieses Heftes bildet die Frage: Wie kann eine solidarische Urbane Praxis aussehen?
"Rückblickend auf eine lange Historie von hegemonialer und patriarchaler Stadtgestaltung von oben ist es für das Streben nach sozialer Gerechtigkeit unerlässlich, hier zu intervenieren und Stadt von unten - aus der Stadtgesellschaft heraus - zu gestalten." (Laura Awad, Miriam Kreuzer)
"Das Feld der Urbanen Praxis muss eigene strukturelle Ausschlüsse sichtbar machen und kritisch reflektieren, um bestehende Machtungleichheiten nicht weiter zu reproduzieren und dem eigenen Anspruch gerecht zu werden." (Laura Awad, Miriam Kreuzer)
"Wenn das Ziel einer gerechten Stadtgesellschaft ernst gemeint ist, sollte Barriereabbau immer Teil einer Urbanen Praxis sein, wie der Stadtraum und die Menschen selbst. Denn um diese beiden Faktoren geht es im Endeffekt. Ohne Zugänglichkeit bleiben Akteur*innen verborgen und dadurch auch ein großer Teil des Stadtraumes." (Yasmina Bellounar - BPUP)
"Eben weil die Ziele der Urbanen Praxis, ihr politisch formulierter Fluchtpunkt der solidarischen Stadt, so wichtig sind, lohnt sich die Suche nach neuen Perspektiven auf ihre Verortung, Inhalte und Methoden." (Melanie Nazmy)
"Aber eine der größten Lücken ist der ungleiche Zugang zu Informationen. Vor allem bei einer Katastrophe sind Informationen die wichtigste Ressource. Aber selbst in Krisensituationen propagieren Technologieunternehmen und Beratungsfirmen weiterhin ein Geschäftsmodell, das auf der Vorenthaltung von Informationen beruht.” (Nashin Mathani - YAYASAN PETA BENCANA, INDONESIA)
Gastbeiträge:
Projektvorstellungen:
Projekte in Berlin:
Diese Zineausgabe widmet sich daher der dringenden Frage, wie Urbane Praxis widerstandsfähiger und politisch unabhängiger gestaltet werden kann. Aufrichtige Solidarität und nachhaltige, intersektionale Strukturen erfordern einen Wandel im Denken – eine Veränderung, die verbindet, gegenseitige Unterstützung fördert und individuelle Selbstbestimmung respektiert.
Zu diesem Zweck wurden unterschiedlicher Perspektiven zusammengetragen, die sich ausgehend von der Zusammenarbeit mit der New York University primär auf New York City und Berlin beziehen. In verschiedenen Formaten reflektieren die Beiträge, wie sich aktuelle Veränderungen auf unterschiedliche Praktiken auswirken.
Diese Ausgabe wurde vom Urbane Praxis e.V. in Zusammenarbeit mit der NYU herausgegeben. Ziel ist es, einen Austausch zwischen New York City und Berlin zu schaffen, Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und Praktiken auszutauschen. Das Zine enthält Gastbeiträge, Interviews, Gedichte und Grafiken, die Leser*innen Möglichkeiten eröffnen, sich nicht einer vermeintlichen Norm zu unterwerfen, sondern aktiv zu werden, die Stadt zu gestalten und Veränderungen zu bewirken.
"Wenn man das Wort Autonomie betrachtet, denkt man an Selbstverwaltung, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit, aber die meisten erfolgreichen gemeinnützigen Organisationen basieren auf Selbstlosigkeit – einem weitaus höheren Wohl." (LANDMARK WEST! - Sean Khorsandi )
"Die Haushaltskürzungen 2025 markieren somit eine Zäsur: während Berlin in den vergangenen Jahren einen Vorbildcharakter hatte für die Kulturelle Stadtentwicklung, zeichnet sich nun ein Rückbau jener Infrastrukturen ab, die niedrigschwellige Teilhabe, zivilgesellschaftliches Engagement und sozialen Zusammenhalt befördern. " (BERLINER PROJEKTFONDS URBANE PRAXIS - Dr. Yann Kersaint / Larissa Krause )
"Die gesamte Stadt ist der Raum, den es zurückzuerobern gilt, und die ganze Welt ist voller Möglichkeiten des Wissens und Handelns außerhalb des eurozentrischen, imperialistischen Drehbuchs. ” (KIEZWERKSTATT - Vittoria Caradonna / Marta Manzuoli)
"Dem anhaltenden Widerstand gegen die Verdrängung der alternativen, nichtkommerziellen Projekt- und Kulturraumszene schließt sich die UCC an. Die Transformation von Kulturinstitutionen wird als Ergänzung und als integrativer Bestandteil einer gesamtgesellschaftlichen sozial-ökologischen Transformation verstanden. " (UNION FÜR CULTURAL COMMONS)
"Für mich bedeutet Selbstbestimmung, sich der Instrumentalisierung der eigenen Arbeit zu verweigern und zugleich der Versuchung zu widerstehen, zu verschwinden. Es geht nicht darum, außerhalb des Systems zu stehen, sondern darauf zu bestehen, unterschiedliche Koordinaten in sich trägt. " (ARTS OF THE WORKING CLASS - María Inés Plaza Lazo)
"Daher bedeutet Autonomie für Künstler*innen und Kulturarbeitende im heutigen Balkan, die Illusionen der EU aufzugeben, nicht mehr zu versuchen über die Mauern der EU zu klettern und sich zu organisieren, um hier eine solidarische und prosperierende Gesellschaft aufzubauen, zu der wir Künstler*innen, Aktivist*innen und Kulturarbeitende aus anderen europäischen und außereuropäischen Ländern einladen, sich anzuschließen." (SHARED VISIONS )
"Die Lücke (prince pink)
Gedicht von Tonda Montasser
Im Hamsterrad der Jahre.
Grundschulkinder greifen mich an,
immer noch.
Ich kam, sah und verblasste.
Zwischenraum gefüllt
mit Film-Postern, Yu-Gi-Oh-Karten,
angebissenen Schulbüchern,
unfreundlichen Freundschaftsbriefen.
Das Licht, ein greller Punkt
am Ende der Gleise.
Musste nur
dahin gelangen.
Wo der Zwischenraum
im Zwischenraum
sich entfaltet, ausbildet
zu einer prinzpinken Festung
meines Inneren.
Ankunft bleibt Ausnahmezustand
zwischen Leben und Tod,
beim Verpassen der U-Bahn.
Jemand zeigt mir den Mittelfinger.
Andere Wesen, die nur ich sehen kann,
tanzen um mich herum,
krallen sich meinen Rucksack,
werfen mein Logbuch
ins Gleisbett.
Shut up
and enjoy it.
Da ist eine Lücke.
Füll sie mit Abfällen
(aka dir selbst).
Oder mach die Lücke
größer, kleiner,
pack Satzzeichen rein,
verbrannte Selfiegedichte,
Was immer
die Langeweile bekämpft.
Mach aus der Lücke
einen Safe Space.
Tonda Montasser, geboren 2011, Berlin. Begann im ersten Corona-Lockdown zu schreiben und im zweiten zu dichten. Ausgezeichnet beim THEO 2021-24, beim Treffen Junger Autor*innen 2022/24 und beim Bundeswettbewerb lyrix 2021-24. Gedichte erschienen zuletzt bei etceterapress, im Signaturen-Magazin und in der manuskripte. 2021,23 und 25 trat er auf dem internationalen Literaturfestival Berlin und 2024 auf dem Poesiefestival Berlin auf. Er liebt Actionwellen, Schach, Filme, Twin Peaks, Kafka, Sarah Kane und Yu-Gi-Oh-Turniere.
Gastbeiträge:
Projektvorstellungen:
Impressum
Animation: Korbinian Fischer
Design: Dana Schneider
Audio: Elisabeth Knoblich, Dana Schneider, Nils Haala
Magazin Design: Roman Karrer